Der richtige Muskeltest

Der Ak-Muskeltest ist ein Patienten gestarteter Test in einer für jeden Muskel klar definierten Testposition. Keinesfalls sollte der Patient beim Testen das Gefühl haben, vom Untersucher »übertölpelt« zu werden!
Entscheidend ist, dass der Patient mit maximaler Stärke gegen den Widerstand des Untersuchers drückt und der Untersucher in der Lage ist, langsam und fast kaum merklich noch einen geringgradig (2–4%) höheren Druck auszuüben. Es gibt drei mögliche Ergebnisse des Muskeltests.

 

Schwacher Muskel

Der Patient kann den Testmuskel nicht ausreichend stark anspannen (kontrahieren) um dem Testdruck zu widerstehen.

Normotoner Muskel

Der Muskel kann dem ansteigenden Testdruck des Untersuchers ausreichend Widerstand leisten, reagiert physiologisch auf schwächende (sedierende) Maßnahmen mit einer vorübergehenden Schwächung.

Hypertoner Muskel

Der Muskel des Patienten ist stark wie unter B., reagiert aber auf normalerweise schwächende bzw. sedierende Maßnahmen nicht, bleibt also mit anderen Worten immer stark (und eben damit zu stark).

Goodheart selbst beschreibt die Testung des M. deltoideus wie folgt:
»Ich bitte den Patienten, den Arm in eine Position von 90° Abduktion ( = vom Körper weg seitlich hochheben) mit 90° Beugung im Ellenbogen zu bringen. Dann erkläre ich dem Patienten in möglichst einfachen Worten den Testvorgang, der daraus besteht, dass der Patient gegen meinen Druck – so fest er kann – noch weiter in Richtung Abduktion drückt. Mein Druck gegen den Ellenbogen des Patienten erfolgt mit einem breiten, weichen Kontakt, bei dem jeder Schmerz vermieden wird.
Der gesamte Muskeltest ist isometrisch (d.h. ohne Veränderung der Muskellänge); ich fühle, wie der Patient seine maximale Kraft entwickelt und drücke mit genau gleicher Kraft dagegen. Hat der Patient seine Maximalkraft erreicht, dann erhöhe ich meinen Druck fast unmerklich nochmals um ca. 2–4% für eine Zeitdauer von maximal 1,5–2,5 Sekunden.
Wir nennen den Muskel stark, wenn der Patient dem kleinen Extradruck widerstehen kann; als ›Schwäche‹ definieren wir, wenn der Patient diesem Extradruck nicht standhalten kann. Wichtig ist also, dass der Patient als erstes zu drücken beginnt und dass man nicht die absolute Muskelstärke in Kilopond testet, sondern die Fähigkeit des Patienten, eine maximale isometrische Kontraktion gegen meinen ansteigenden Testdruck auszuführen.
Im Regelfall sollte die eigentliche Testung des Muskels nicht länger als ca. 2 bis maximal 3 Sekunden dauern.«